Die Gemeinden aus den einander benachbarten Kirchenbezirken Stuttgart-Bad Cannstatt und Stuttgart/Fellbach (Apostelbereich Stuttgart) freuten sich, am Sonntag, 21. Juli 2024, mit Bezirksapostel Michael Ehrich Gottesdienst zu feiern. Der Leiter der Gebietskirche Süddeutschland führte ihn in der großen Kirche in Fellbach durch.
In seiner Begleitung befanden sich die Apostel und Bischöfe aus Süddeutschland, denn in den Tagen zuvor hatten sie an einer Konferenz mit dem Bezirksapostel teilgenommen. Zudem waren die Vorsteher der Kirchenbezirke des Apostelbereichs Stuttgart und ihre Stellvertreter eingeladen.
Ein Bibelwort aus dem Neuen Testament, dem Brief des Jakobus, bildete die Grundlage für die Predigt:
„Alle gute Gabe und alle vollkommene Gabe kommt von oben herab, von dem Vater des Lichts, bei dem keine Veränderung ist noch Wechsel von Licht und Finsternis“
(Jak 1,17).
Zu einem Predigtbeitrag rief der Bezirksapostel zuerst Bezirksevangelist Manfred Keim, Vorsteher des Kirchenbezirks Stuttgart-Bad Cannstatt, der in dem Gottesdienst altershalber in den Ruhestand trat, ferner Apostel Hans-Jürgen Bauer, Leiter des Apostelbereichs Ulm, Apostel Andreas Sargant, Leiter des Apostelbereichs München, und Bischof Marco Metzger aus dem Apostelbereich Heilbronn/Nürnberg.
Außer der Ruhesetzung des Bezirksevangelisten Keim gab es weitere Segenshandlungen: zwei Beauftragungen sowie eine Ernennung. Priester Michael Birk, bisher Gemeindevorsteher in Waiblingen und stellvertretender Vorsteher des Kirchenbezirks Stuttgart-Bad Cannstatt, wurde nun mit dessen Leitung beauftragt. Den Auftrag als Vorsteher der Gemeinde Waiblingen empfing Priester Simon Züfle, der vom Bezirk Fellbach in den Bezirk Bad Cannstatt wechselte. Zum stellvertretenden Vorsteher des Cannstatter Kirchenbezirks ernannte der Bezirksapostel Priester Jens Reißing, den Gemeindevorsteher von Waiblingen-Hohenacker.
Alles dem Herrn anheimstellen
Vor Predigtbeginn trugen Chor und Orchester mit Klavierbegleitung das am Süddeutschen Kirchentag (9.-12.5.2024, Karlsruhe) verwendete Erkennungslied „Kommet her“ vor (Text und Musik Jeremy C. Dawson, 1974). Beim Liedvortrag sei viel Freude wahrnehmbar gewesen, so der Bezirksapostel, der die im Lied ausgedrückte Einladung mit dem Refrain „… ich liebe euch so sehr“ unterstrich: „Wir können immer zum Herrn kommen! Er nimmt uns immer an, so wie wir sind.“ Immer wieder neu lasse der Herr die Gemeinde seine Liebe fühlen („seine Gnade und Liebe sind viel größer als wir uns dies in unserer menschlichen Begrenztheit vorstellen können“). Er helfe, Glauben zu halten, gebe Hoffnung und Stärkung und wolle seinen Frieden schenken. Dazu brauche es die Bereitschaft, den Herrn anzunehmen.
Der Herr, so der Bezirksapostel weiter, stehe in Sorgen und Belastungen bei, „auch wenn wir einmal keine Worte finden“. Er ermunterte, alles ganz bewusst dem Herrn anheimzustellen und ihm zu vertrauen: „Glaube und Vertrauen gehören zusammen, das sind gleichsam Geschwister“. Eine schwierige Situation ändere sich dadurch nicht, aber dann könne man anders mit ihr umgehen und vor allem: „Dann kann der Frieden Jesu Christi uns erfüllen.“
„Kleine Werke sind besser als große Worte“
In seinen Ausführungen zum Bibelwort sprach der Bezirksapostel davon, dass der christliche Glaube „das Leben durchdringen“ solle; es gelte, ihn im Alltag zu leben. Dies bedeute, Jesus Christus nachzufolgen, indem man sich bemühe, wie Jesus zu handeln. Große Werke wie dieser könne man niemals vollbringen, aber „kleine Werke, und die sind besser als große Worte“.
Denn ohne Werke sei der Glaube tot (vgl. Jak 2,17). Beispielhaft für Werke des Glaubens im alltäglichen Leben nannte er u.a. Geduld und das Bemühen im Umgang mit anderen, die Zunge im Zaum zu halten, sowie dafür zu sorgen, dass Frieden von einem selbst ausgehe.
Die göttlichen Gaben erbitten
Gott schenke gute und vollkommene Gaben, sagte der Bezirksapostel im Fortgang der Predigt, wie zum Beispiel Gottes Wort: „Es ist Licht für uns, gibt Orientierung und beinhaltet Kraft für denjenigen, der es im Glauben ergreift.“ Als gute göttliche Gaben nannte er ferner u.a. die Vergebung der Sünden, das Heilige Abendmahl und Gottes Segen, der durchs Leben begleite. Gaben Gottes auf anderer Ebene seien beispielsweise Nahrung, eine Familie und Menschen zu haben, die einen liebten, und dass einem auch einmal „Engel“ in Bedrängnis und Nöten zur Seite stünden.
Die göttlichen Gaben würden niemandem aufgedrängt, so der Bezirksapostel weiter. Vielmehr müssten sie erbeten werden hierbei erwähnte er das Wort Jesu nach Matthäus 7,7ff: „Bittet, so wird euch gegeben …“
Im Zusammenhang, dass Gott treu und unwandelbar ist, appellierte der Bezirksapostel an die Gemeinde, sich bei allen Anfechtungen um Beständigkeit im Glauben zu bemühen. Wohl könne der Glaube Schwankungen unterworfen sein („mal mehr freudig, mal ganz fest, mal vielleicht angefochten“), aber mit Gottes Hilfe gelinge es trotz der menschlichen Sündhaftigkeit, Gott treu zu sein.
Auf Gottes Größe und Güte konzentriert sein
Bezirksevangelist Manfred Keim verwies in seinem Predigtbeitrag darauf, dass es Wirkung habe, wenn man das göttliche Heilsangebot in Wort und Sakrament annehme. Dann könne man im Sinne Jesu die Herausforderungen bewältigen und nach der „goldenen Regel“ (vgl. Mt 7,12) handeln sowie auch Konflikte auf Augenhöhe und in Wertschätzung des anderen lösen.
Er rief die Glaubensgeschwister dazu auf: „Lasst uns auf die Größe und Güte Gottes konzentriert sein, die nie ein Ende hat!“
Apostel Hans-Jürgen Bauer sprach ebenfalls vom Konzentriert-Sein, als er im Zusammenhang mit den erwähnten Anfechtungen an das Jesuwort erinnerte: „Wachet und betet“ (vgl. Mt 26,41). Zum Wachen brauche es u.a. zum einen die Konzentration „auf das Wesentliche, auf unser Glaubensziel und den Weg dorthin“, zum anderen die Fähigkeit zur Reaktion, „dass man sich selbst verändert, hin ins Wesen Jesu“.
Auch bekräftigte der Apostel die Bedeutung des Gottvertrauens und legte der Gemeinde ins Herz: „Verlassen wir uns auf den Herrn, dass er uns hilft, das Heil zu erlangen! Er gibt Glaubenskraft, er steht uns bei – auch im Natürlichen.“ Dazu sei nötig, sich ganz auf den Herrn einzulassen.
Apostel Andreas Sargant griff den Gedanken auf, dass Gottes Wort ein „Licht“ sei und sagte: „Licht hat immer Auswirkungen bei dem, den es trifft. Das göttliche Licht, das Wort, hat dann Auswirkungen bei uns, wenn wir es erkennen und bereit sind, es im Glauben zu ergreifen. Dann macht es etwas mit dir und mir!“
Bischof Marco Metzger hob das Schöne an Gottes Gaben hervor: „dass man sie nicht verdienen, dafür keine Leistung erbringen muss, sondern dass Gott sie uns schenkt“. Dies sei eine Gnade und mache demütig. Demut wiederum sei auch ein Schlüssel, um die Gaben Gottes wahrnehmen zu können und mit ihnen in rechter Weise umzugehen.
Schöne musikalische Mitgestaltung
Mit Orgelmusik und Klavierbegleitung sowie mit Vorträgen von Orchester, gemischtem Chor, Jugend- und Kinderchor wurde der Gottesdienst musikalisch mitgestaltet. Lange vor Gottesdienstbeginn stimmten das Orchester und die Sängerinnen und Sänger die freudige, erwartungsfrohe Festgemeinde auf das Gottesdiensterleben ein. Der Kinderchor ließ mit einem fröhlich und kindlich-vertrauensvoll vorgetragenen Lied vom Beten das Jahresmotto „Beten wirkt“ anklingen.
Der Jugendchor berührte bei der Feier des Heiligen Abendmahls die Herzen, als er von der Gewissheit des ewigen Lebens und der gemeinsamen Zukunft bei Gott sang (Text und Melodie Mia Friesen, Nikolai Nilkens, CCLI-Lied-Nr. 7158243). Den musikalischen Schlusspunkt setzten Chor und Orchester mit dem Lobpreis „Großer Gott, wir loben dich“ – die Freude über das Gottesdienst-Erleben kam auch hier zum Ausdruck.
Bericht: SR
Bilder: KE