Den Gottesdienst am Mittwochabend, 14. Oktober 2026, feierten die Gemeinden Winnenden, Korb und Steinach mit Apostel Jürgen Loy. Der Leiter des Apostelbereichs Stuttgart, zu dem auch der Kirchenbezirk Stuttgart-Bad Cannstatt gehört, führte den Gottesdienst in der Kirche in Winnenden durch. Begleitet wurde er von Bischof Matthias Grauer.
Ein Bibelwort, das vom Glaubensziel der neuapostolischen Christen spricht, war Grundlage für die Wortverkündigung: „Ihn habt ihr nicht gesehen und habt ihn doch lieb; und nun glaubt ihr an ihn, obwohl ihr ihn nicht seht; ihr werdet euch aber freuen mit unaussprechlicher und herrlicher Freude, wenn ihr das Ziel eures Glaubens erlangt, nämlich der Seelen Seligkeit.“ Dieses Bibelwort aus dem 1. Petrusbrief, Kapitel 1, Verse 8 und 9 bewirkte in der Wortverkündigung durch den Apostel und den Bischof eine berührende Atmosphäre, zu der auch die Liedvorträge des gemischten Chores beitrugen.
Ein besonderes Gepräge hatte der Gottesdienst durch zwei Sakramentsfeiern. Vor der Feier des Heiligen Abendmahls – üblicherweise zentrales Geschehen im Gottesdienst – erlebte die Gemeinde, dass der Apostel einem kleinen Jungen die Heilige Versiegelung spendete: Sie ist das Sakrament, bei dem der Mensch die Gabe des Heiligen Geistes erlangt, und wird, wie die Heilige Wassertaufe, nur einmal im Leben empfangen.
In einer bedrängten Welt – der Gott der Barmherzigkeit
Der Chor leitete die Wortverkündigung mit einem Lobpreis ein: „Preis und Anbetung sei unserm Gott“ (Chorbuch 152). Dies griff der Apostel zu Beginn seiner Ausführungen auf. Dabei wies er diejenigen, denen in Bedrängnis, Leid und Verzweiflung nicht nach Lobpreisen zumute sei, auf die wörtliche Übersetzung von Psalm 65,2 hin: „Dir [Gott] ist Schweigen Lobgesang“ und tröstete: „Da, wo wir um Worte ringen, vielleicht in unserer Ohnmacht und Not verstummen, kann auch Schweigen ein Lobgesang sein: dann, wenn wir zu Gott kommen und uns an ihn wenden und bei ihm Hilfe suchen.“
In der Antike waren die Gemeinden in Kleinasien, die Adressaten des Petrusbriefs, versprengt, die Mitglieder lebten in Bedrängnis und mussten da und dort wegen ihres Glaubens um ihr Leben fürchten. Auch heute leben viele Menschen in Unruhe und Bedrängnis, auch heute gibt es Verfolgung um des Glaubens willen. Der Apostel lenkte den Blick über die bedrängte Welt hinaus, hin zu den Kernelementen des Glaubens: Jesu Opfer am Kreuz zur Erlösung der Menschen, seine Auferstehung von den Toten, seine Himmelfahrt und die Erwartung seiner Wiederkunft. „Gott der Vater, Sohn und Heilige Geist ist der Gott der Barmherzigkeit“, hob er hervor. „Er hat sich in der Person von Jesus Christus in der Tat gezeigt, in der Barmherzigkeit und in der Liebe, die sich für uns Menschen im Opfertod hingegeben hat“. So werde „das Wort vom Kreuz“ (1. Korinther 1,18) für die Glaubenden zu einer Gotteskraft. Auch die „lebendige Hoffnung“ auf Jesus Christus und seine Wiederkunft schenke Herzensruhe, in Bedrängnis wieder neue Kraft und löse Freude aus.
Christus als Seelenbräutigam
Im gemeinsamen Lied zu Gottesdienstbeginn „Ich weiß nicht, wann Christus, der König, erscheint“ (Gesangbuch 410) klingt an, dass Christus wiederkommt und als „Bräutigam“ die Gemeinde als seine „Braut“ mit sich vereint. Viele Fragen ohne Antwort drücke das Lied aus, meinte der Apostel, und dabei auch viel Vertrauen in Gott. „Wie wird das sein, wenn Christus wiederkommt? Das kann man nur über das Geheimnis des Glaubens fassen.“
Für die Beziehung der Glaubenden zum noch nie gesehenen Seelenbräutigam Jesus Christus nahm er das Bild eines Kindes im Mutterleib: Mutter und Kind kommunizieren miteinander und haben einander lieb, auch wenn sie sich noch nie gesehen und in den Armen gelegen haben. Im Weiteren verwies er auf die biblische Überlieferung des Lebens und Wirkens Jesu, seiner Wundertaten und all dessen, was von seinen Worten und Gebeten bekannt ist. Je mehr man sich damit beschäftige und davon im Gottesdienst höre, desto mehr gewinne Jesu Wesen Gestalt und desto mehr könne man ihn lieben, so der Apostel, der dabei an das Lied erinnerte: „Der am Kreuz ist meine Liebe“ (Gesangbuch 46). Wie sich die Liebe zu Jesus Christus zeigt, machte er am Gleichnis vom Weltgericht (Matthäus 25,31ff) deutlich: Sie ist Frucht des Heiligen Geistes und geht mit der Liebe zu Bruder und Schwester, zum Nächsten einher.
Die Fülle erleben
Im Fortgang der Wortverkündigung sprach der Apostel davon, ob Christi Wiederkunft ins persönliche Leben der Gemeindemitglieder passe. Interessantes vorhaben, Ziele verwirklichen, das Leben genießen, Freude und seine Träume erleben wollen – das sei alles gut so. Und doch habe, was heute als Wunderbares erlebt werde und wonach man sich sehne, bei Christi Wiederkunft keine Relevanz mehr („da wird unaussprechliche, herrliche Freude sein“). Alles müsse vor dem verstummen, was da geschehe: „etwas unbeschreiblich Wunderbares, das die Fülle ist; wir haben keine Vorstellung davon und keine Bilder, keine Worte dafür.“ Dazu zitierte er die bekannten Worte: „Was kein Auge gesehen und kein Ohr gehört hat und in keines Menschen Herz gekommen ist, hat Gott denen bereitet, die ihn lieben“ (1. Korinther 2,9).
Den stimmungsvollen Schlusspunkt dieses Abendgottesdienstes setzte der Chor mit dem Abendlied „Der Mond ist aufgegangen“ (Chorbuch 319).
Text: SR
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