Den Gottesdienst am 19. November 2025, an dem Christen den diesjährigen Buß- und Bettag begingen, feierten die Gemeinden Korb, Steinach und Winnenden gemeinsam.
Zur Freude aller kamen zu dem Gottesdienst Apostel Martin Rheinberger, der für die Gebietskirche Süddeutschland ernannte Bezirksapostelhelfer, und Apostel Jürgen Loy, Leiter des Apostelbereichs Stuttgart, zu welchem der Kirchenbezirk Stuttgart-Bad Cannstatt und somit die besuchten Gemeinden gehören.
Für die Wortverkündigung in der gottesdienstlichen Gemeinschaft an diesem Mittwochabend legte Apostel Rheinberger, der den Gottesdienst leitete, als Bibelwort Lukas 19,10 zugrunde:
„Denn der Menschensohn ist gekommen, zu suchen und selig zu machen, was verloren ist.“
Ein Beitrag in der Wortverkündigung erfolgte durch Apostel Loy.
Sängerinnen und Sänger der drei Gemeinden bildeten den Chor, der den Gottesdienst musikalisch umrahmte. Zur Einleitung der Wortverkündigung besangen sie im Lied „Mein Heil bist du“ die Liebe Jesu Christi (neuapostolisches Chorbuch 294). Apostel Rheinberger bezog sich auf die Bitte aus dem Refrain „O Liebe, wie groß! Durchflute mein Herz und mein Leben!“ und machte darauf aufmerksam, dass ein solches Durchfluten alles erfasse. Da gehe es nicht um Punktuelles und auch nicht darum, welchen „Katalog“ man als Christ zu erfüllen habe, sondern da gehe es um die innere Haltung, und zwar unabhängig davon, ob man ein geistliches Amt trage. „Wenn diese Liebe, die in uns ausgegossen ist durch den Heiligen Geist“ (bei der Heiligen Versiegelung), „uns durchflutet, dann sind wir andere Menschen.“
Der Herr sucht das Verlorene
Zum Bibelwort erläuterte Apostel Rheinberger zunächst den Kontext: die Begebenheit, als Jesus nach Jericho kam, wo der kleingewachsene Zachäus, ein Oberer der Zöllner, auf einen Baum geklettert war, um Jesus in der Menschenmenge zu sehen. Dieser rief ihn: „Steig eilend herunter; denn ich muss heute in deinem Haus einkehren.“ Die Umstehenden murrten darüber und missbilligten Jesu Einkehr bei Zachäus, der als schlimmer Sünder galt. (Zöllner waren eine verachtete und auch verhasste Gruppe, die für die römische Besatzungsmacht Abgaben eintrieb und sich selbst dabei unrechtmäßig bereicherte.)
Jesus sei zielgerichtet auf Zachäus zugegangen, den Sünder, den Verlorenen, so der Apostel. Normalerweise habe ein Herr nicht selbst gesucht – Jesus Christus hingegen, der Herr, dem alle Gewalt im Himmel und auf Erden gegeben ist (vgl. Matthäus 28,18), habe den Sünder gesucht. Dies mache der Herr auch heute, er suche das Verlorene und wende sich dem Sünder zu.
Seit dem Sündenfall sind die Menschen verloren; sie sind in der Gottferne und müssen errettet werden. Zu ihrer Errettung ist Jesus Christus den Opfertod am Kreuz gestorben; aus eigener Kraft kann niemand in die Gemeinschaft mit Gott kommen. „Wer verloren ist, der hat keinen Anspruch auf Seligkeit. Der kann sich das Heil, die Seligkeit nur schenken lassen“, unterstrich der Apostel. Es sei ein Zeichen der vollkommenen Liebe Gottes zum Menschen, „dass er uns sündigen Menschen das schenkt, was wir brauchen – nämlich das Heil, die Seligkeit“.
Im Weiteren blendete der Apostel auf den biblischen Bericht zurück. Auf die Begegnung mit Jesus reagierte Zachäus mit einer Sinnes- und Lebensänderung: denen, die er betrogen hatte, gab er das Vierfache zurück und darüber hinaus schenkte er die Hälfte seines Besitzes den Armen. Dies zeige, dass Zachäus nicht überlegt und berechnet habe, was da angemessen sei: „Da hört‘s auf mit Berechnen! Dies kann nur aus der Liebe heraus geschehen.“
Buße – Hinwendung zu Gott
An der Reaktion des Zachäus auf Jesu Einkehr machte Apostel Rheinberger den Glaubensgeschwistern Wichtiges für den Buß- und Bettag deutlich: „Buße hat nichts damit zu tun, aus Berechnung zu handeln oder noch schlimmer aus Angst, dass Gott uns sonst straft – das ist nicht das Evangelium –, sondern Buße kommt aus der Liebe.“ So sei der Buß- und Bettag ein guter Tag in der Gewissheit, sich mit allem zu Gott hinwenden zu dürfen: „Buße ist die Hinwendung zu Gott aus Liebe zu ihm.“ Damit einher gehe ein Umdenken, eine Umkehr. Buße-Tun und Beten habe viel miteinander zu tun. „Buße ist die Hinwendung zu Gott, und beim Gebet wenden wir uns auch zu Gott“, so der Apostel.
Ferner brachte er Gottes „Antwort“ auf die Buße des Zachäus zur Sprache: nämlich dass Zachäus Heil geschenkt wurde, sagte doch Jesus: „Heute ist diesem Haus Heil widerfahren“ (Vers 9). Auch in heutiger Zeit antworte Gott den Bußfertigen auf die Hinwendung zu ihm mit Heil – „das zeigt sich nicht zuletzt in den Sakramenten“.
Unter diesen Gedanken feierten die Glaubensgeschwister in Andacht und Dankbarkeit das Heilige Abendmahl.
Den Schlusspunkt unter diesen besonderen Buß-und-Bettag-Gottesdienst setzte der Chor mit der dritten Strophe aus „Singt ein Lied von Gott“ (Chorbuch 344), wo es heißt: „Nichts … bleibt, wie es ist, wenn ein Mensch zu Jesus umkehrt …“
Beitrag: SR
Bilder: KE